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Logopädie und Demenz

 

Auswirkungen einer Demenz

Menschen, die von einer Demenz betroffen sind, stellen zunehmend fest, dass sie in vielen Bereichen Unterstützung zur Bewältigung ihres Alltags benötigen. Gedächtnis, Denken und Orientierung werden durch die Krankheit beeinflusst und dies führt oft zu Verunsicherung der Betroffenen und deren Umfeld.

Häufig kommt es schon in frühen Phasen einer Demenz zu Veränderungen im Bereich der Sprache. Im Alltag können diese die Kommunikation erschweren. Es kommt zu Missverständ-

nissen mit Freunden oder in der Partnerschaft. Auch das Essen und Trinken kann im Verlauf der Erkrankung ein wichtiges Thema werden. Beispielsweise wenn es zu häufigem Verschlucken 

kommt oder die Nahrung bzw. das Trinken verweigert wird. Betroffene benötigen daher Unterstützung von Familie und Freunden sowie von Angehörigen unterschiedlicher medizinischer und therapeutischer Professionen. Sprache und Schlucken sind die beiden Bereiche, für die die Logopädie Beratung und Therapie für die individuellen Bedürfnisse anbieten kann.

 

Sprache - Kommunikation 

Was fällt auf?

- Worte werden nicht mehr gefunden

- Gesprächsinhalte werden schnell vergessen

- der "rote" Gesprächsfaden geht verloren

- Themen werden schnell gewechselt

- bestimmte Themen werden wieder und wieder angesprochen

- Sprachverständnisprobleme führen zu Missverständnissen und eventuell zu unangemessenen Reaktionen

 
Was gelingt gut?

- Mimik und Gestik werden gut verstanden und unterstützen das Gespräch (non-verbale Kommunikation)

- das Verstehen, das Spüren von Gefühlen im Gespräch bleibt lange Zeit stabil

- wichtige, lange zurückliegende Erfahrungen und Ereignisse werden erinnert und auch erzählt

 

Essen und Trinken

Was fällt auf?

- Essen wird nicht mehr als solches erkannt

- Nahrung wird verweigert (Essen wird abgelehnt aus Angst, Appetitlosigkeit oder aufgrund von schmerzenden Druckstellen, beispielsweise durch ein schlecht sitzendes Gebiss)

- Kau- und Schluckprobleme

- Essen wird im Mund "gebunkert"

- häufiges Verschlucken (oft verbunden mit heftigem Husten)

- geringe Flüssigkeitsaufnahme


Ursachen der Ernährungsprobleme

Diese Veränderungen der Nahrungsaufnahme beruhen sowohl auf körperlichen als auch auf geistigen (kognitiven) Veränderungen und haben eine Vielzahl von Ursachen. So können die am Kauen und Schlucken beteiligten Muskelgruppen an Kraft verlieren. Der Schluckreflex, der das sichere Abschlucken gewährleisten soll, ist verzögert oder fällt aus.
Aber auch Zahnprobleme, Schmerzen durch Entzündungen im Mundbereich oder Medikamente, die sich in ihren Nebenwirkungen ungünstig auf den Appetit und das Schlucken selbst auswirken, können das Essen und Trinken erschweren. Auch wird das Essen manchmal einfach vergessen.


Die Folgen können schwerwiegend sein:

- Mangel- und Fehlernährung

- Austrocknen (Dehydration)

- Lungenentzündung

- häufige Infekte

- sozialer Rückzug

 

Chancen im Alltag

Das Ziel aller Maßnahmen ist ein gelingender Alltag für die Betroffenen und für die Angehörigen. Ein notwendiger Baustein dafür ist das Verstehen der Einschränkungen und der erweiterte Blick auf noch bestehende kommunikative Möglichkeiten. Auch die Aufklärung darüber, was gerade im jeweiligen Stadium der Erkrankung passiert und welche Auswirkungen das auf die Kommunikation und das Essen und Trinken hat, trägt zu einem Verständnis füreinander bei. 

 

Logopädische Therapie

Die logopädische Therapie begleitet die Betroffene bzw. den Betroffenen sowieFamilien-mitglieder oder Freunde, die in die Betreuung einbezogen sind. Sie unterstützt alltagsorientiert mit spezifischen Angeboten. 


Ziel der logopädischen Sprachtherapie ist ein möglichst langer Erhalt der kommunikativen Selbstständigkeit unter Nutzung aller Ressourcen. Dabei wird das Fortschreiten der Erkrankung berücksichtigt und die Angebote dem Stand und der individuellen Interessen und Bedürfnisse kontinuierlich angepasst. Es werden Therapieansätze eingesetzt, die Kommunikation stimulieren und aktivieren. 

Ziel der logopädischen Schlucktherapie ist der bestmögliche Erhalt einer lustvolle Nahrungs-aufnahme. Essen und Trinken in der Gemeinschaft, das Gestalten von Mahlzeiten mit geeigneten Koststufen sind wichtige Komponenten der Therapie.

Wichtig ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Beteiligten: der Angehörigen und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der unterschiedlichen Berufsgruppen aus Logopädie, Pflege, Therapie, Ärzteschaft, Ernährungsberatung und ggf. Zahnmedizin.

 

Tipps für den Alltag beim Essen und Trinken

- Rituale und gleiche Abläufe unterstützen und geben Sicherheit

- Beobachten, welche Speisen bevorzugt und welche gemieden werden

- gemeinsam die Speisen zubereiten schafft Verständnis und macht Appetit

- Besonders beim Anreichen von Essen und Trinken: Kann der Betroffene das Essen sehen (Brille)? Kann er hören, was Sie sagen (Hörgerät)? Möchte er das Essen zuerst anfassen oder zuerst riechen?

 

Tipps für den Alltag bei der Kommunikation

- ohne Worte sprechen: Berührungen, in den Arm nehmen, streicheln - liebevolle Gesten kommen an

- den Blickkontakt suchen

- kurze Sätze unterstützen das Verstehen

- Zeit und Ruhe helfen, in Kontakt zu bleiben

- "Magst Du Apfelsaft?" ist leichter zu verstehen und zu beantworten als "Was willst Du trinken?"

- der Ton macht die Musik: Stimmungen werden gut wahrgenommen